Equile, atque partis huius
annexa habitatio tota negligentia
servi periere ab igne, decem
bri
Der Pferdestall und alle
damit verbundenen Wohnungen
dieses Teiles wurden wegen der
Nachlässigkeit des Knechtes
durch das Feuer im Dezember zerstört

Reformation - Gegenreformation
Säkularisation - Chronogramme:

KLOSTER SPEINSHART



Wenn Sie jemandem begegnen, der eine weiße Tunika, ein bandartiges Zingulum und Skapulier mit Mozetta gleicher Farbe trägt, dann schauen Sie erst mal in Wikipedia nach, was der anhat!
Dort erfahren wir, dass mit Tunika nicht der bekannte Schnitt der heutigen Damenmode gemeint ist, sondern ein römisches Kleidungsstück (lat: tunica), das man unmittelbar auf dem Körper trug. Das Zingulum (lat: cingulum „Gürtel“) ist der Gürtel, den Mönche, Nonnen oder Priester um ihre Soutane binden, ein breites Band aus edlem Stoff - in Weiß tragen es nur der Papst und die

Prämonstratenser.



Das Skapulier (lat: scapularium „Schulterkleid“) ist der Überwurf über die Tunika, der vorn und hinten bis fast zum Fußboden reicht - die Prämonstratenser tragen es über dem Zingulum; die Mozetta (ital: mozzo „abgeschnitten, gestutzt“) ist der bis zu den Ellenbogen reichende, über dem Chorhemd getragene Schulterkragen.
Vor uns steht also ein Prämonstratenser, Mitglied des größten römisch-katholischen Ordens regulierter Chorherren, eines Zusammenschlusses selbständiger Kanonien oder Klöster, gegründet 1120 von Norbert von Xanten in Prémontré bei Laon, dem Fernbesitz der Abtei Prüm.
Regularkanoniker sind keine Mönche, sondern eine Gemeinschaft von Priestern. Sie folgen der Augustinusregel, legen also Armuts-, Enthaltsamkeits- und Gehorsamsgelübde ab und ihre Lebensweise folgt weitgehend den monastischen Standards, wie Einhaltung des Stundengebets oder gemeinschaftliches Mahl im Refektorium.



Dieser Herr in Weiß ist Hermann Josef Kugler, Abt von Windsberg, der das Kloster Speinshart verwaltet.
Die Geschichte dieses Klosters ist Spiegel der deutschen (Kirchen-)Geschichte.

Wer auf der A9 unterwegs ist, sieht dieses Hinweisschild zwischen Trockau und Weidensees:



Wer dann abbiegt, findet auf dem Wegzeiger "Training Area",



wo scharf geschossen wird. Training Area Grafenwohr hat eine Fläche von 226 km² und ist einer der größten Truppenübungsplätze Europas. Schon 1907 lässt der König von Bayern in dem dünn besiedelten, waldreichen Gebiet einen Schießplatz errichten, weshalb 230 Menschen ihre Heimat verlieren. Die Nazis erweitern ihn, sie siedeln mehr als 3.500 Personen um und bauen für sie - wohl die einzige - katholische Kirche in Wolfskofen/Mintraching. Die Heimatorte der Anwohner zerstören sie, Reste existieren noch als Geisterstädte...



Nach dem Zweiten Weltkrieg übernimmt die US-Army den Truppenübungsplatz, wo auch Elvis "manövrierte".



Mit 210 Millionen D-Mark werden von 1979 bis 1984 computergesteuerte Schießbahnen errichtet, die modernsten der NATO. Das Manövergebiet ist der größte Arbeitgeber der Region.



Historisch ist die Oberpfalz ein frühzeitig erschlossenes Gebiet, Berichte aus der Zeit Karls des Großen deuten auf eine militärische Sperrzone und einen Kriegsschauplatz der Kämpfe des bayerischen Herzogs gegen die Ungarn hin.
In relativ kurzer Zeit entstehen Burgen, Klöster und Städte.
Grund sind die Vielzahl konkurrierender Dynastengeschlechter und die Bedeutung als Grenzland, das auf ein gutes Verteidigungsnetz angewiesen ist. Große Reichsburgen in Cham, Nabburg und Eger werden durch kleinere Burgen und Vorposten ergänzt.
Ab dem 14. Jahrhundert geht es bergab: Hungersnöte durch Missernten, Pest, Ausläufer von Erdbeben in Böhmen, Heuschreckenplagen, ab 1422 Hussiteneinfälle...
1434 stellen sich Adelige, Bürger und Bauern unter Führung Johanns von Pfalz-Neumarkt bei Hiltersried dem hussitischen Heer entgegen, es gelingt, die gefürchtete hussitische Wagenburg zu zerstören und den Feinden eine vernichtende Niederlage beizubringen.



Weiteres Leid folgt, als die Truppen des Markgrafen Albrecht Alcibiades plündernd und raubend durch die Oberpfalz ziehen.
1522 fällt Weiden als erste Stadt vom Katholizismus ab. Die Reformation fasst in der Oberpfalz Fuß, das Land wird in der Oberschicht kalvinistisch, das Volk lutherisch. Nach der Niederlage der Protestanten in der Schlacht am Weißen Berge (1620) besetzt Maximilian von Bayern die Oberpfalz, Kaiser Ferdinand II. überträgt ihm die Würde eines Kurfürsten.
Die Gegenreformation beginnt:
Jesuiten, Franziskaner und Kapuziner werden ins Land gerufen, freigewordene evangelische Pfarrstellen mit katholischen Geistlichen besetzt, 1623 müssen die reformierten, 1625 die lutherischen Pfarrer das Land verlasssen, der neue Landesherr stellt die Bevölkerung vor die Wahl, katholisch zu werden oder auszuwandern.
Überwiegend Pfarrrer und Beamte verlassen mit Familie ihre Heimat, die Oberpfalz blutet intellektuell aus.

Wer bei der die Landschaft weithin beherrschenden Klosteranlage Speinshart Halt macht, ist sicher, dass hier in ungebrochener Tradition immer Mönche leben, dass das sanfte Rauschen ihrer Gewänder durch den Kreuzgang weht, sie Gärten und Anlagen pflegen, Gebete und gregorianische Choräle den Kirchenraum erfüllen ...
Der Eindruck täuscht: Zwei Mal verlassen die Prämonstratenser Speinshart, zwei Mal kommen sie wieder zurück. 2012 leben wieder 8 Männer im Alter zwischen 29 und 80 Jahren nach der Regel des Augustin im Kloster Speinshart.

Ad fontes:
1145, nur 25 Jahre nach Gründung des Prämonstratenser-Ordens, stiftet ihm der kinderlose fränkische Reichsgraf Adelvolk von Reiffenberg mit seiner Gemahlin Richenza und den Brüdern Reinhold und Eberhard seine umfangreichen Besitzungen um Speinshart, damit der Orden Boden-, Geistes- und Seelenkultur betreibe, Chorherren aus dem Stift Wilten in Tirol besiedeln das Land.
Von 1163 stammt die erste urkundliche Erwähnung, ein Schutzbrief von Kaiser Friedrich Barbarsossa.
Der Besitz des Klosters vergrößert sich durch Schenkungen und Ankäufe: Pappenberg, Kemnath, Kirchenlaibach, Grafenwöhr kommen hinzu.
Eisenproduktion und eine ausgedehnte Fischzucht sind die Einnahmequellen. 1459 wird Propst Georg Ochs von Gunzendorf erster Abt, der Konvent besteht aus 13 Chorherren.
In den folgenden 300 Jahren führen 29 Pröpste den Speinsharter Konvent an. Das Kloster erhält "Freiheiten", es darf in Tremmersdorf den Schneider, Schuster, Weber, Wagner und Bäcker stellen sowie einen Ausschank betreiben; über das Dorf Plössen bekommt es das Vogteirecht, von König Wenzel (1378-1400) von Böhmen bekommt es das Recht, Wein, Bier und andere Getränke herzustellen und auszuschenken, die Chorherren errichten ein Brauhaus und eine Wirtschaft, versuchen, Hopfen und Wein selbst anzubauen.
1459 wird Speinshart zur Abtei erhoben,



und 1557 - neben dem Abt Johann III. Georg von Gleißenthal (er wendet sich vom katholischen Glauben ab und heiratet!) umfasst sein Konvent noch zwei Chorherrn - wird das Kloster aufgehoben.



Der Landrichter zu Waldeck hat das Inventarverzeichnis aufgenommen.
Speinshartischer Inventarius. Was (durch) Christoph von Giech, Landrichter und Pfleger zu Waldeck, auf hohen fürstlichen Befehl daselbst zu Speinshart in der Liberey (Bücherei), desgleichen in der Sakristei an Kirchenzier, Kleinod(ien) und anderem, wie hienach unterschiedlich beschrieben, gefunden worden. Actum Samstag nach dem Sonntag Lätare den 21. März Anno 1556.

Bis zur Rückgabe der Klöster nach der Gegenreformation - J.G. von Gleißenthal ist mit seiner Familie nach Amberg übersiedelt, wird Regierungsbeamter und verwaltet als solcher die nun kurfürstliche Domäne Speinshart - vergehen viele Jahre der Verhandlung zwischen römischer Kurie, dem Bischof von Regensburg und dem Kurfürsten in München.
1661 beauftragt Kurfürst Ferdinand Maria die Abtei Steingaden mit der Wiederbesiedlung des Klosters. Gottfried von Blum wird erster Abt.
Der Plan zeigt die Klosteranlage 1670.

1. Ecclesia (Kirche)
2. Campanile (Kirchturm)
3. Abbatia (Abtei)
4. Cochlium et ingressia ad Conventum (... Konvent)
5. Cubicula pro hospitib. (Fremdenzimmer)
6. Cancellaria (Kanzlei)



7. Conventus (Konvent)
8. Stabula equorum (Pferdestall)
9. Refectorium Antiqum (Alter Speisaesaal)
10. Hipocaustum pro hospitibus (Warmluftheizung für Gäste)
11. Infirmaria (Kranken-, Siechenhaus)
12. Domus pro venatore (Haus für den Jäger)



13. Horreum (Lager)
14. Domus pastoris pcc.orum (Haus des Schafhirten)
15. Custodia Curruum (Unterstellplatz für Wagen)
16. Cemiterium (Friedhof)
17. Porta Interior (inneres Tor)
18. Domus pro Edictuo. (Haus für den Glöckner)
19. Domus pro Villico (Haus für den Wächter)
20. Stabula Equorum (Pferdestall)
21. Hospitium (Krankenhaus)
22. Porta exterior (Äußeres Tor)
23. Domus portary (Haus ...)
24. Stabula pecorum (Schafstall)
25. Domu pro Judice (Haus für den Richter)
26. Domus pro Ludimoderato (Haus für den Lehrer)
27. Bruxatoria Cereuisia
28. Pistrina Antiqua (alte Bäckerei)
29. Maltz haus
30. Somerhaus

31. Stabula parva (kleiner Stall)
32. Janua horti (Gartenporte)
33. Transitus Culina (Küchenübergang)
34. Aula Cancellaria (Kanzlersaal)
35. Fons ex piscina (Quelle aus dem Fischteich)

36. Sacellum (kleine Kapelle)
37. Pomaria (Birnengarten)
38. Sacellum S. Barbara (kleine Kapelle S. Barbara)


Eine neue Blütezeit des Klosters hebt an an, es die barocke Klosteranlage mit Stiftskirche und Klostergebäude im Zentrum ehtsteht, umgeben vom weitläufigen Komplex der Verwaltungs- und Ökonomiegebäude. Das gut erhaltene barocke Ensemble überformt die spätmittelalterliche Klosteranlage, überliefert auf der Ansicht von 1670; die alte Hofstruktur, die unveränderte Lage von Kirche, Konventsgebäuden, Abtei und den darum gelagerten Klosterhöfen bildet weiterhin das Grundgerüst.
Wolfgang Dientzenhofer entwirft den Plan für die an Stelle der abgerissenen neu zu erbauende Kirche.



Die integrierte Kirche und die zwei Flankenrisalite (Westflügel zwischen Kirche und Südtrakt) bilden die eigentliche Schauseite des Klosters - wie es im Endstadium hätte aussehen sollen, zeigt der "Idealplan" von 1749 (nicht ausgeführte Teile farbig):



Überall finden wir Chronogramme, Inschriften in lateinischer Sprache, in der hervorgehobenen Großbuchstaben als lateinische Zahlzeichen addiert die Jahreszahl des geschichtlichen Ereignisses ergeben.

Haus Nr. 13:



In favillas redactam
exstruit tertius
a restitutione
abbas

[Was zu Asche geworden,
erbaut der nach der Wiederherstellung
dritte Abt]
Großbuchstaben: IVILLDCMXVIIVIVI ergeben
1+5+1+50+50+500+100+1000+10+5+1+1+5+1+5+1 = 1736

Nordtor:



Hic
stetit Ignis qui XXX
Decembris est ortus

[Hier
machte das Feuer halt, das am
30. Dezember ausbrach]
ICIIIVIXXXDCMIV ergibt 1+100+1+1+1+5+1+10+10+10+500+100+1000+1+5 = 1746

Tordurchgang:



Equile, atque partis huius
annexa habitatio tota negligentia
servi periere ab igne, decem
bri

[Der Pferdestall und alle
damit verbundenen Wohnungen
dieses Teiles wurden wegen der
Nachlässigkeit des Knechtes
durch das Feuer im Dezember zerstört]
VILVIVIVXIILIIVIIIDCMI
5+1+50+5+1+5+1+5+10+1+1+50+1+1+5+1+1+1+500+100+1000+1 = 1746

Am zweiten Tordurchgang lautet die Inschrift:
Deo faVente
Maria InVIoLata patroCI...
ss aVgVstInI & norbertI aVXILIo
resVrgo
[Durch die Güte Gottes,
die Fürbitte der unversehrten (Jungfrau) Maria,
durch die Hilfe der Heiligen Augustinus
und Norbert bin ich wieder entstanden]
DVMIIVILCIVVIIIVXILIV
500+5+1000+1+5+1+50+100+1+5+5+3+5+10+1+50+1+5+1 = 1749

Baumaßnahmen umfassen Brauerei (heute Klostergaststätte), Malzhaus, Brennerei, westliche Randbebauung des großen Klosterhofes, Erneuerung Richterhaus, Forstmeisterhaus, Friedhofskapelle im Rokokostil, das Refektorium, Gast- und Fürstenzimmer sowie Festsaal im Kloster.
Abbruch der Wallfahrtskirche Barbaraberg, neuer Rokokobau.

Das Standbild für die gefallenen Soldaten blickt fragend zum zurückgestellten Turmpaar der Stifts- und Pfarrkirche Unbefleckte Empfängnis Mariä hinüber:


Haben nicht auch Eure Priester das Tun des Führers gesegnet?

Das Fresko auf der Decke der repräsentativen Vorhalle - flankiert von Nepomuk- und Tauf- oder Silvesterkapelle - setzt das Gründungsereignis des Klosters in Szene.

Auf den Wolken thront Muttergottes mit dem Jesuskind, vor ihr knien in zwei Reihen die Stifter. Hinten Christus, der eigentliche Empfänger der Stiftung. Ein Schimmel, von einem Schildknappen gehalten, ist im Begriff, über den Bildrand zu schreiten, an seinem Sattel das Wappen der Stifter, ein silbern gezinnter Turm in Rot. Sechs von barocken Putti gehaltene Schriftbänder umziehen das Fresko in den umliegenden Gewölbekappen.
Sie erinnern ans Jahr der Klostergründung und die Namen der Stifter:
Anno do(min)i MCXLV: A prima fundatione hui(us) eclesie / D(ominu)s Adelvolch de Speinsh(art) fundator / huius loci Reihtzz uxor / Reinoldus et Eberhardus / fr(atre)s de Reiffenberch / + Su(s)cipe prole pia cum templo vota Maria.
[Von der ersten Gründung dieser Kirche im Jahr des Herrn 1145. Herr Adelvolc von Speinshart, Gründer dieses Ortes. Gemahlin Reihtza. Reinold und Eberhard, Brüder von Reifenberg. + Maria mit dem Kind, nimm die frommen Bitten in dieser Kirche an.]

Auch die Grabplatte von Abt Georg Ochs von Gunzendorf,
gestorben 1503, findet sich hier.



Wir betreten den Innenraum: ein Gesamtkunstwerk italienischer Prägung, ein wahrer Schatz reichsten Stucks und bezaubernder Deckenmalerei...











































Der vormalige Reichtum des Klosters ist mit Händen zu greifen:
Zahlreiche fein gearbeitete Putten und Heiligenfiguren, naturalistische Fruchtgehänge und Ranken, Muscheln und Kartuschen, Altäre und Emporen deuten zusammen mit der fein abgestimmten Deckenmalerei auf die Bedeutung des Klosters hin.

Dientzenhofer strukturiert die geschlossene vierflügelige Barockanlage harmonisch und klar, führt das Licht ausgezeichnet, wir stehen sprachlos vor der aufwändigen, in jedem Detail aufs Ganze bezogene Besonderheit der Dekoration, vor den wunderbar ausgewogenen Proportionen ...
Die Schweizer Brüder Carlo Domenico (Stuckateur) und Bartolomeo Lucchese (Maler) aus dem Dorf Melide am Luganer See dekorieren den Innenraum.
Die Wände, die durch Pilaster und stark hervortretende Gesimse gegliedert sind, gehen scheinbar fließend in die Decke über, die mit schweren Frucht- und Blütengirlanden dekoriert ist.


Kunstvoll umrahmt heben sich im Langhaus drei großformatige Deckenfresken hervor, die wiederum von kleinen freskiert Medaillons umgeben sind. Im Chorraum ist die Deckendekoration noch dichter und enger zusammengefügt. Carlo Domenico Lucchese fertigt auch den Hochaltar aus Stuck. Das Bild der Immaculata stammt vermutlich vom Italiener Antonio Triva.


Als Prämonstratenserkirche weist sich der Bau, von Osten blickend, durch den flachen Chorabschluss aus, von der Gegenseite gesehen durch die zurückgestellten Türme und den wohnhausartig gestalteten Westbau. Gegenüber der Strenge und Symmetrie des äußeren Baukörpers, der die Klostergebäude im südlichen Anschluss an die Kirche mit einbezieht, spricht das Innere der tonnengewölbten Kirche zunächst und ausschließlich die Sprache einer überreichen Dekoration, die dem Betrachter den Atem zu nehmen scheint.
Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass Symmetrie auch anders buchstabiert werden kann, im Alphabet der Putten und Heiligen nämlich, der Akanthusblätter und Ranken, der Friese und Kartuschen. Ein Baudenkmal von nationalem und europäischem Rang.








1803, nicht einmal 100 Jahre nach der Fertigstellung des Gebäudekomplexes, steht den Mönchen die Säkularisation ins Haus. Die Verstaatlichung des Klosters ist mit rigorosen Plünderungen des Inventars verbunden: Schlimmer als die Schweden im Dreißigjährigen Krieg, so die Chronik, hätten die einheimischen so genannten Aufhebungskommissäre im Kloster gehaust. 1921 wagen die Prämonstratenser den nochmaligen Neuanfang.






Im Kleinen Klosterhof hat die Säkularisation von 1803 die gravierendsten baulichen Veränderungen der ganzen Klosteranlage. Die bestehenden Remisen werden von den neuen Privatbesitzern zu Wohnhäusern und Ställen umgebaut und aufgestockt. Nach dem Brand von 1885 setzt man zudem ein Teil der Gebäudezeile nach vorne auf die Flucht des Fischhauses.














Im Oktober 2011 sind die Paradegästezimmer restauriert, dort soll ein internationales Begegnungszentrum entstehen.
Das Deckenfresko von 1763 erzählt:




Eine illustre Gesellschaft ist am Weiler Haselhof vorbeigezogen
und hat ihr Ziel erreicht:



Kloster Speinshart am Rande des Oberpfälzer Waldes.
Im Hintergrund der Szene erhebt sich markant der Rauhe Kulm.
Angeführt werden die vornehmen Herren von Christus,
den Abt Dominikus Lieblein ehrfürchtig mit einem Handkuss empfängt.



Speinshart ist geistliches und kulturelles Zenrum der Region,
Mitglieder der kurbayerischen Regierung in Amberg und
des markgräflichen Hofes in Bayreuth gehen ein und aus.
Um sie standesgemäß zu beherbergen, hat Lieblein drei Räume
der Prälatur im zweiten Obergeschoss des Westflügels
seiner Prämonstratenserabtrei zu Paradegastzimmern umbauen lassen.







Für die üppige Rokokoausstattung hat der Abt
heimische Künstler verplichtet,
sie zeigen auf den Kartuschen emblematische Darstellungen.


Wallfahrtskapelle St. Barbara







Ihre Geschichte ist eng verbunden mit der vom Kloster Speinshart.
Die Grabungen 1992 bis 95 bringen neue Einblicke in den sagenumwobenen Berg.
Hier soll die Stadt Mirga versunken sein.
Haben die Skelettfunde am Barbaraberg die heimischen Bauern an Riesen erinnert?
Dass es sich um eine alten slawischen Kultstätte handlen könnte, bestätigen die Funde,
und Fundamente der ersten steinernen Kirche finden sich.







Erstmals findet die "capella sancte Barbarae in monte" in einem Visitationsprotokoll von 1508 Erwähnung.
Nach Errichtung der neuen Wallfahrtskirche 1759 werden die Häuser daneben als Gastschänke für die Wallfahrer und als Sommersitz der Patres von Speinshart eingerichtet.

Mit der Säkularisierung verfällt die Kirche, sie wird zu einer Scheune umfunktioniert, 1888 ihr gesamter Mittelbereich, einschließlich der Vierungskuppel, abgebaut, 1914 schlägt der Blitz ein.
Heute ist die spätgotische Figur der heiligen Barbara wieder Ziel vieler privater Wallfahrtsgruppen...
Sie genießen den wunderbaren Blick ins Land ...